1. Wie funktioniert eine Ultraschallkamera zur Leckageortung?

Eine Ultraschallkamera lokalisiert hochfrequente Schallwellen, die an Leckstellen durch austretende Druckluft, austretende technische Gase oder einströmende Umgebungsluft bei Vakuumanwendungen entstehen. Ein Mikrofonarray berechnet aus den Mikrofonsignalen die Richtung der Schallquelle und legt das Ergebnis als farbige Heatmap über ein optisches Videobild.

Das Verfahren arbeitet passiv: Die Kamera benötigt kein Prüfgas wie Helium oder Formiergas, sondern erfasst die akustische Energie, die durch Turbulenzen an der Leckstelle entsteht. Dadurch lassen sich Leckagen im laufenden Betrieb lokalisieren, ohne dass Anlagenbereiche großflächig abgeschaltet, demontiert oder mit Lecksuchspray behandelt werden müssen.

Der technische Nutzen liegt in der Kombination aus akustischer Ortung und visueller Zuordnung. Anwender sehen nicht nur, dass Ultraschall vorhanden ist, sondern erkennen im Kamerabild, an welchem Bauteil, Ventil, Schlauch, Anschluss oder Rohrabschnitt der Schalldruck entsteht. Das reduziert Suchzeit, vermeidet Fehlinterpretationen und erleichtert die Dokumentation gefundener Leckagen.

Ultraschallkamera zeigt Hotspot einer Leckage an einer schwer zugänglichen Hallendecke

Beispiel: Lokalisierung einer Ultraschallquelle an einer schwer zugänglichen Hallendecke. Der Hotspot markiert die akustische Quelle im Kamerabild.

2. Warum Leckagen Ultraschall erzeugen

Für die industrielle Leckageortung ist die Trennung zwischen Hörschall und Ultraschall zentral. Die meisten Produktionsgeräusche liegen im hörbaren, niederfrequenten Bereich. Leckagen an Druckluft- und Gasleitungen erzeugen an kleinen Leckageöffnungen breitbandige Turbulenzen mit hochfrequenten Schallanteilen. Große Leckagen erzeugen häufig zusätzlich Hörschall; dieser wird in Produktionsumgebungen jedoch oft durch Maschinenlärm maskiert.

FrequenzbereichBeschreibungBedeutung in der Industrie
Hörschall (ca. 20 Hz bis 20 kHz)Frequenzbereich, der vom menschlichen Gehör wahrgenommen werden kann.Maschinen-, Motor-, Ventilator- und Sprachgeräusche liegen typischerweise in diesem Bereich.
Ultraschall (> 20 kHz)Für den Menschen nicht hörbarer Schallbereich.Leckagen, elektrische Teilentladungen und andere hochfrequente Ereignisse erzeugen häufig Ultraschallanteile.
ZielfrequenzfensterFür die Messung ausgewählter Frequenzbereich innerhalb des Ultraschallspektrums.Ermöglicht die Ausblendung von Störsignalen und die gezielte Detektion relevanter Ultraschallquellen.

Der von einer Leckage erzeugte Ultraschall entsteht nicht durch das Gas selbst, sondern durch die beim Gasaustritt auftretenden Turbulenzen. Druckdifferenz, Leckagegeometrie sowie die Form der Austrittsöffnung bestimmen dabei die Schallintensität und das Frequenzspektrum der erzeugten Ultraschallwellen.

Höhere Frequenzen bieten aufgrund der kürzeren Wellenlänge eine bessere räumliche Auflösung. Mit steigender Frequenz nimmt jedoch auch die atmosphärische Dämpfung zu, wodurch die erzielbare Detektionsreichweite sinkt.

Die Wahl der Messfrequenz stellt daher einen Kompromiss zwischen Auflösung, Reichweite und Störunterdrückung dar. In vielen industriellen Anwendungen hat sich ein Frequenzbereich um 40 kHz als günstig erwiesen. Bei störungsbehafteten Umgebungen kann jedoch ein anderes Frequenzfenster bessere Ergebnisse liefern.

Vertiefung: Leckageortung trotz Störquellen und FFT

3. Warum Druckluft die wichtigste Anwendung ist

Druckluft ist für CS INSTRUMENTS die primäre Anwendung der Ultraschall-Leckageortung. Der Grund ist der direkte Zusammenhang zwischen Leckage, Verbrauch, Kompressorlast und Energiekosten. Jede ungeplante Abströmung erhöht den Bedarf auf der Verbraucherseite. Wird die Leckage beseitigt, muss weniger Luft erzeugt, getrocknet und aufbereitet werden.

Leckagen zu finden ist der erste Schritt. Der Nachweis der tatsächlichen Einsparung durch eine Verbrauchsmessung vor und nach der Reparatur macht daraus eine belastbare Effizienzmaßnahme. Ultraschallkamera, LD 500, Leak Reporter, Durchflussmessung und Monitoring ergänzen sich dabei in den Aufgaben Lokalisierung, Dokumentation, Priorisierung und Validierung.

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess für Druckluft-Leckagemanagement

4. Wie macht die Kamera den Hotspot sichtbar?

Die akustische Karte entsteht durch Beamforming. Das Mikrofonarray erfasst die eintreffenden Ultraschallsignale an definierten Positionen. Aus den Laufzeit- und Phasenunterschieden berechnet das System die wahrscheinliche Position der Schallquelle. Für jeden Bildpunkt wird ein Schalldruckwert ermittelt und als Heatmap über das Kamerabild gelegt.

Die Heatmap ist kein Foto der Leckage, sondern eine Visualisierung der berechneten Schallquelle. Durch die Überlagerung mit dem Kamerabild lässt sich der Hotspot dem verursachenden Bauteil eindeutig zuordnen.

Vertiefung: Beamforming einfach erklärt

5. Reichweite, Frequenz und Grenzen

Die Erkennungsreichweite einer Ultraschallkamera wird nicht durch einen festen Wert bestimmt. Sie hängt im Wesentlichen von Leckagegröße, Systemdruck, Frequenzbereich, Umgebungsstörungen, Blickwinkel und atmosphärischer Dämpfung ab. Große Leckagen können aus deutlich größerer Entfernung erkannt werden als Mikroleckagen.

EinflussgrößeWirkung auf die DetektionKonsequenz für Anwender
Mindest-DifferenzdruckTypischerweise mindestens ca. 250 bis 300 mbar relativer Über- oder Unterdruck.Bei geringerem Differenzdruck kann die Turbulenz zu schwach sein, um stabil detektiert zu werden.
Mindest-VerlustvolumenstromUngefähr 0,03 bis 0,05 l/min bei 3 m Prüfabstand für reproduzierbare Detektion.Der Wert ist abhängig von Störpegel, Frequenzfenster, Sensorik, Leckagegeometrie und Abstand.
Leckgröße / VerlustvolumenstromGrößere Leckagen erzeugen höheren Schalldruck.Große Defekte zuerst aus Distanz identifizieren, danach systematisch näher an kleinere Defekte herangehen.
Systemdruck / DifferenzdruckHöherer Differenzdruck erhöht Strömungsgeschwindigkeit und Ultraschallpegel.Für Mikroleckagen kann eine Messung bei höherem, aber zulässigem Prüfdruck sinnvoll sein.
FrequenzHohe Frequenzen verbessern die Ortungsschärfe, werden aber in Luft stärker gedämpft.Bei großer Distanz mittlere Frequenzen testen; bei Störungen in freie Frequenzfenster ausweichen.
StörquellenProzessbedingte Ultraschallquellen können Leckagesignale überdecken.FFT nutzen, Abstand reduzieren, Zielfrequenzfenster verschieben und druckführende Bereiche priorisieren.
BlickwinkelGerichtete Leckagen strahlen nicht in alle Richtungen gleich stark ab.Bauteile aus mehreren Raumwinkeln abtasten, insbesondere bei düsenartigen Leckagen.
Ultraschallkamera lokalisiert Leckagen in einer Produktionsumgebung aus Distanz

Für mittelgroße Leckagen sind unter Praxisbedingungen Messentfernungen von etwa 20 m reproduzierbar erreichbar. Bei großen Leckagen können unter günstigen Umgebungsbedingungen deutlich größere Entfernungen erzielt werden. Die maximale Detektionsreichweite wird jedoch maßgeblich durch den Schalldruckpegel der Leckage, das Frequenzspektrum des Ultraschallsignals, die atmosphärische Dämpfung und das Signal-Rausch-Verhältnis beeinflusst. Angaben von bis zu 120 m stellen daher einen maximalen Richtwert dar.

6. Druckluft, technische Gase und Vakuum im Überblick

Akustisch wird nicht die Gasart selbst erkannt, sondern der durch den Gasaustritt erzeugte Ultraschall. Ob eine Leckage detektiert werden kann, hängt vor allem von der Druckdifferenz, der Leckagegeometrie, dem Volumenstrom, dem Messabstand und den Umgebungsbedingungen ab. Die Gasart ist dagegen hauptsächlich für die wirtschaftliche, sicherheitstechnische und qualitative Bewertung der Leckage relevant.

MediumKurzbewertungWeitere Informationen
DruckluftHauptanwendung mit Energie- und Effizienzbezug. Leckagen erhöhen Grundlast und Kompressorarbeit.Druckluft-Leckageortung im laufenden Betrieb; Demand Side vor Supply Side
Stickstoff, Argon, Kohlendioxid, SauerstoffAkustisch detektierbar bei ausreichendem Differenzdruck und turbulenter Strömung. Bewertung über Medienkosten, Prozessstabilität und Sicherheit.Technische Gase mit Ultraschall prüfen
HeliumGrößere lokale Leckagen können akustisch gefunden werden. Für hochsensitive Mikro-Dichtheitsprüfungen bleibt Helium-Leckagesuchtechnik relevant.Technische Gase mit Ultraschall prüfen
Methan Nur bei ausreichendem Druck und turbulenter Ausströmung akustisch detektierbar. Ultraschall ersetzt keine Gaswarntechnik.Technische Gase mit Ultraschall prüfen
VakuumMöglich, aber anspruchsvoller: Umgebungsluft strömt in das System, Signal ist oft schwächer.Vakuumleckagen mit Ultraschall finden

7. Typische Probleme: Störquellen, Reflexionen und Mikroleckagen

Viele Produktionsgeräusche liegen im Hörschallbereich. Dennoch können auch Anlagenkomponenten Ultraschallsignale erzeugen, beispielsweise pneumatische Taktungen, Förderanlagen, Pressen, Reibstellen, Abblasdüsen, elektrische Teilentladungen oder andere Leckagen. Mithilfe der FFT-Analyse und der Auswahl eines geeigneten Frequenzfensters lassen sich solche Störquellen identifizieren und gezielt ausblenden.

Reflexionen entstehen an schallharten Oberflächen wie Glas, Plexiglas, Beton, Blech oder glatten Maschinenverkleidungen. Ein Hotspot auf einer Wand, einem Boden oder einer anderen Oberfläche kann daher auch durch ein Echo verursacht werden. Der wichtigste Prüfschritt ist ein Wechsel des Blickwinkels: Eine reale Schallquelle bleibt dabei am verursachenden Bauteil lokalisiert, während sich eine Reflexion verschiebt oder verschwindet.

Vertiefung: Leckageortung trotz Störquellen und FFT

Ultraschallkamera lokalisiert Leckage an Verpackungsmaschine über offenen Spalt statt durch Plexiglas

Leckage an einer Verpackungsmaschine mit Plexiglas-Ummantelung. Gemessen wird nicht durch die geschlossene Fläche, sondern über einen offenen Spalt mit direkter Schallstrecke.

8. Welche Lösung von CS INSTRUMENTS ist die richtige?

AufgabeGeeignete LösungEinordnung
Ultraschall hörbar machenLD 500 / LD-SerieKonventionelle Leckagesuche mit Heterodyn-Verfahren, Zubehör und Nahbereichsstärke.
Leckage visuell zuordnenUltraCam / LeakCam 600Hotspot im Kamerabild erleichtert Zuordnung und Dokumentation.
Komplexe Anlagen, größere Distanzen, mehrere QuellenLeakCam 60064 Mikrofone, Power Beamforming, FFT und Frequenzmanagement.
Leckagen dokumentieren und Reparaturen verfolgenCS Leak ReporterBerichte, Priorisierung, Reparaturstatus und Einsparpotenziale.
Einsparung validierenDurchflussmessung, DS 500, CS NetworkVerbrauch vor und nach der Maßnahme vergleichen.
Erzeugung bewertenCMM 500, spezifische LeistungSupply Side erst nach Demand-Side-Bereinigung optimieren.

9. FAQ

Sie erfasst passiv Ultraschallwellen mit einem Mikrofonarray, berechnet per Beamforming die Richtung der Schallquelle und zeigt diese als farbigen Hotspot im Livebild an.

Viele Produktionsgeräusche liegen im Hörschallbereich. Leckagen erzeugen hochfrequente Ultraschallanteile, die selektiv erfasst werden können.

Die Reichweite hängt von Leckagegröße, Druck, Frequenz, Störpegel und Blickwinkel ab. Mittelgroße Leckagen sind häufig um 20 m detektierbar; große Leckagen können unter günstigen Bedingungen weiter erkannt werden.

Ja, sofern an der Leckagestelle durch Differenzdruck und turbulente Strömung Ultraschall entsteht. Die Kamera erkennt Schall, nicht die chemische Zusammensetzung des Gases.

Störquellen und Reflexionen können Hotspots erzeugen. Deshalb müssen Frequenzfenster, Blickwinkel und Anlagenkontext geprüft werden.

Die Kamera zeigt den Verlustort. Die wirtschaftliche Wirkung wird erst über Reparatur, Dokumentation und Verbrauchsmonitoring nachgewiesen.